Saubere Sache

06.11.2026
Feuerwehr
Nach einem Brand haften oft gefährliche Stoffe an der Schutzkleidung der Feuerwehrleute. Um deren Gesundheit zu schützen, setzt die Köschinger Wehr auf ein Wechselkonzept.

„Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Während sich an diesen Worten der einstigen Mode-Ikone Karl Lagerfeld durchaus die Geister scheiden, können sie Köschings Feuerwehrleute durchaus verneinen – zumindest, wenn es um den Dresscode nach einem Brandeinsatz geht. Hatten die Atemschutzgeräteträger ein Feuer im Inneren eines Gebäudes bekämpft, wechselten sie im Nachgang ihre Schutzkleidung stets gegen einen Jogginganzug. Dass dies nicht aus einem Komfortgedanken, sondern aus einem Sicherheitsaspekt heraus geschah, erklärt Matthias Klier, Bekleidungswart der Wehr: „Nach einem sogenannten Innenangriff ist unsere persönliche Schutzausrüstung nicht nur stark verdreckt, sondern auch mit gesundheitsschädlichen Schadstoffen belastet.“ Mit der Einführung dieses Wechselkonzepts vor über 13 Jahren verbesserten die Köschinger Floriansjünger somit die Einsatzstellenhygiene und sorgten für einen Gesundheitsschutz der ehrenamtlichen Helfer.

Trotz dieser fortschrittlichen Optimierung war noch „Luft nach oben“, wie Klier erklärt: „Trugen unsere Kräfte nach ihrem Einsatz einen Jogginganzug, konnten sie im weiteren Verlauf des Einsatzes natürlich nicht mehr eingesetzt werden.“ Auch eine adäquate Umkleidemöglichkeit fehlte, „was vor allen Dingen im Winter oder bei Regen ein Manko war“, so der Bekleidungswart weiter.

Zusammen mit seiner Mitstreiterin Franziska Heckl fand er im Winter 2025 pragmatische und wirksame Verbesserungen. So entwickelten die beiden einen sogenannten Rollwagen-Wechselbekleidung. Dieser ist mit acht kompletten Garnituren Einsatzkleidung, vier Helmen sowie zehn Handschuhpaaren – allesamt in den gängigen Größen – bestückt. Ergänzt wird dieses Set durch Unterziehwäsche, Einmalhandtücher und weitere Hygieneartikel. Bei der technischen Umsetzung erfuhren die beiden Bekleidungswarte Unterstützung von Metallbau-Fachmann Stefan Erhardt: In nur drei Tagen wurde ein bereits vorhandener Wagen auf die Bedürfnisse der Feuerwehr umgebaut. Parallel hierzu wurde auf der Ladefläche des Gerätewagen-Logistik eine witterungsgeschützte Umkleidemöglichkeit geschaffen, die während der kalten Jahreszeit beheizt werden kann.

„Mit diesen Maßnahmen können wir unsere Kameradinnen und Kameraden noch besser vor einer Kontamination schützen“, freut sich Franziska Heckl. Während sich die Mannschaft noch an Ort und Stelle über ein sauberes Outfit freuen kann, geht für das zweiköpfige Team die Arbeit nach dem Einsatz weiter. So werden die in einer Box gesammelten verdreckten Kleidungsstücke in Eigenregie auf Schäden kontrolliert, gereinigt, getrocknet, falls nötig imprägniert und wieder in den Umlauf gebracht. Hierfür stehen im Keller des Gerätehauses an der Lindenstraße eine Waschmaschine und ein Trockner parat. Dieses ehrenamtliche Engagement spart der Kommune als Träger der Feuerwehren nicht nur bares Geld, sondern sorgt auch dafür, dass jeder Atemschutzgeräteträger in kürzester Zeit seine eigene Kleidung im Spind wiederfindet. „Dafür fährt man gerne auch zwei- oder dreimal am Tag ins Gerätehaus“, wie Heckl zufrieden anmerkt.

Mit diesem in der Region einzigartigen Schema erfüllt die Köschinger Wehr die Standards moderner Einsatzhygiene und beweist, dass man durchaus die Kontrolle über sein Leben besitzt, wenn man eine Jogginghose trägt.

Text: Christian Wittmann | Bilder: Christian Wittmann