Eine neue Stimme für die Feuerwehrfrauen

07.11.2026
Feuerwehr
Stabwechsel: Nach knapp 30 Jahren übergab Frauenbeauftragte Karin Meier ihr Amt an Emilia Bast. Diese übernimmt mit einem klaren Ziel.

Manchmal verbergen sich hinter wenigen nüchternen Worten große gesellschaftliche Veränderungen. Ein Beispiel hierfür liefert die Chronik des Landesfeuerwehrverbandes Bayern, in der es heißt: "Bereits im Frühjahr 1996 hat die Staatsregierung die Änderung des Bayerischen Feuerwehrgesetzes im Bezug auf den Begriff 'männlich' durchgeführt, so daß künftig Frauen und Männer gleichermaßen zum Feuerwehrdienst herangezogen werden könnten."

Was dort kurz und knapp festgehalten wurde, war ein Meilenstein für die Gleichberechtigung in den Feuerwehren des Freistaats. Schließlich agierten bis dato in den meisten Wehren ausschließlich Männer an Strahlrohr, Rettungsspreizer und Co. – ganz anders in Kösching, wo man zu diesem Zeitpunkt bereits einen großen Schritt weiter war: Bereits seit 1987 engagieren sich dort Frauen bei den Floriansjüngern. Heute zählt die Stützpunktwehr des Marktes zu den Einheiten mit dem größten Frauenanteil: Zwanzig Frauen lassen derzeit alles stehen und liegen, wenn Hilfe gebraucht wird.

Eine von ihnen ist Karin Meier. Sie trat 1997 und damit wenige Monate nach der wegweisenden Gesetzesänderung in die Einsatzmannschaft ein, wo sie eine bemerkenswerte Premiere vollzog: Gemeinsam mit Evi Obermeier absolvierte sie als erstes "Damen-Duo" im Landkreis Eichstätt den Lehrgang für Atemschutzgeräteträger. "Was heute als selbstverständlich gilt, war zu dieser Zeit etwas Besonderes und dem Donaukurier sogar einen halbseitigen Pressebericht im Lokalteil wert", erinnert sich Meier. Die damals 21-Jährige bewies damit nicht nur, dass das vermeintlich „schwache Geschlecht“ seinen festen Platz in der einstigen Männerdomäne hat – sie war auch deren Sprachrohr. So vertrat sie ab 1997 als Frauenbeauftragte die Interessen ihrer Kameradinnen in der Köschinger Wehr, womit sie dem Verwaltungsrat angehörte und dort als erste Frau dieses Gremiums in die Geschichte einging.

Im Jahr 2005 weitete Meier ihren Wirkungskreis auf den gesamten Landkreis aus: Als stellvertretende Kreisfrauenbeauftragte setzte sie sich 18 Jahre lang über die Grenzen Köschings hinaus erfolgreich für die Belange der Feuerwehrfrauen ein. Im Juni 2026 legte sie schließlich ihr Amt als Frauenbeauftragte der Feuerwehr Kösching nieder.

Ihre Nachfolge hat Emilia Bast übernommen. Die engagierte Feuerwehrfrau gehört seit 2017 der Einsatzmannschaft an und fühlte sich dort von Anfang an gut aufgehoben. "Der Zusammenhalt ist klasse!", schwärmt die 24-jährige, die sich mit großem Elan einbringt. Sie fungiert unter anderem als Atemschutzgeräteträgerin und Maschinistin. Als Gruppenführerin übernimmt sie regelmäßig Verantwortung - als zweite Frau in dieser Funktion bei der Feuerwehr Kösching. Dabei leitet sie nicht nur ihre Mitstreiter an einer Einsatzstelle an, sondern wirkt auch an der Ausbildung der Mannschaft sowie bei der Planung und Organisation von Übungen mit. Ihr Schwerpunkt liegt hierbei auf einer adäquaten Schulung in puncto Erste Hilfe. Für die Übernahme des Amtes als Frauenbeauftragte bringt Emilia Bast somit eine Menge Know-how und Erfahrung als Einsatz- und Führungskraft mit. Wissend um die Pionierleistung der ersten Köschinger „Feuerwehr-Damen“ möchte die frischgebackene Funktionärin weitere Frauen für den Dienst bei den Brand- und Katastrophenschützern begeistern. Ihre Motivation fasst sie in einem Satz zusammen: "Ich möchte den Feuerwehrfrauen weiterhin eine Stimme geben."

Text: Christian Wittmann | Bilder: Christian Wittmann, Archiv FF Kösching